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18.09.2017

Aktion und Reaktion – Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen wollen regional die Heilmittelausgaben reduzieren!

Physiotherapeuten müssen ärztliches Verordnungs- und Kommunikationsverhalten beobachten

Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) und dem Heil-und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) sind die Vergütungen für physiotherapeutische Leistungen in allen vier Bundesländern des Nordverbundes 2017 deutlich gestiegen.

Dies muss sich in den Jahren 2018 und 2019 wiederholen. Nur so können unsere Praxen auskömmliche Löhne bezahlen und die Praxisinhaber halbwegs auskömmliche Gewinne erzielen.

Damit sind natürlich Mehrausgaben bei den Krankenkassen vorprogrammiert. Allerdings nur dann, wenn die Anzahl der Verordnungen mehr oder weniger gleich hoch bleibt. Sinkt die Verordnungsmenge, brechen die Umsätze in unseren Praxen entsprechend ein.

Deshalb werden die Kostenträger viel Kreativität an den Tag legen, um die Verordnungsmenge zu reduzieren. Dies kann nur über die ärztlichen Verordner geschehen. Wir müssen daher genau beobachten, ob und wenn ja, wie sich das ärztliche Verordnungsverhalten regional verändert.

Ein besonderer Augenmerk liegt dabei momentan auf den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Dort gibt es neue Prüfvereinbarungen zwischen Krankenkassen und den regionalen KVen.

In Niedersachsen wurde ab 2017 von den sogenannten Richtgrößen umgestellt auf den Durchschnitt der jeweiligen ärztlichen Fachgruppe. Bis Ende 2016 gab es für jeden Versicherten eine statistische Verordnungsgröße je Arzt – jetzt wird auf den Verordnungsdurchschnitt je ärztlicher Fachgruppe abgestellt.

Beides ist weder gut noch schlecht. Aber Neuerungen können schnell zu ärztlicher Verunsicherung führen.

In Schleswig-Holstein geht man einen anderen Weg:

Die Krankenkassen und die KV Schleswig-Holstein sind der Auffassung, dass die überdurchschnittlich hohe Anzahl von Heilmittelverordnungen in ihrem Bundesland (im Vergleich zum Bundesdurchschnitt) medizinisch nicht erklärbar sei.

Fakt ist, dass im Bundesland Schleswig-Holstein ca. 10 % mehr physiotherapeutische Leistungen verordnet werden als im Bundesdurchschnitt.

Deshalb sollen die Ärzte je Fachgruppe nur eine bestimmte Anzahl von Heilmittelverordnungen ausstellen. Es ist damit zu rechnen, dass dies zu massiven Irritationen in der Ärzteschaft führen wird.

Deshalb unser Aufruf an alle Mitglieder des ZVK-Nordverbundes:

Wenn es zu einer Veränderung im Verordnungsverhalten der Ärzteschaft kommt, teilen Sie uns dies bitte mit!

Wir als Ihre Interessenvertretung wollen sicherstellen, dass die Ärzte die Informationen der KVen nicht falsch verstehen und aus Unsicherheit ihr Verordnungsverhalten verändern. Deshalb bitten wir Sie im Fall des Falles auch um ganz unemotionale, klare Zahlen und Angaben – „ gefühlte Temperaturen“ helfen uns nicht weiter.

Wir benötigen die folgenden Informationen:

  • Welches Bundesland ist betroffen?
  • Welche Region/Stadt?
  • Welcher Arzt?
  • Was hat sich am Verordnungsverhalten geändert?
  • Hat der Arzt eine Begründung für sein geändertes Verhalten abgegeben? Wenn ja, welche?

 

Die beiden Zielvereinbarungen finden Sie unter diesen Links zur Ansicht:

 

Wir freuen uns, wenn Sie sich kurz die Zeit für eine E-Mail an info(at)nv.physio-deutschland.de mit Ihren Beobachtungen nehmen.